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Prisma der Legende
... Mit jedem neuen Medium ändert sich der kommunikations-geschichtliche
Aspekt. Im Babylon der virtuellen Megazeichen wird Kommunikation
zum immer wieder überprüfbaren Experiment zwischen Glaubwürdigkeit
und Gerücht/Fälschung. Ent- und Verwirrung. Die Virtuartistik
ist der Versuch, aus einem kommunikativen Experiment eine
inhaltliche und ästhetische Bestimmung des Zeitrades vorzunehmen,
also der Frage nachzugehen, wie unter den veränderten medialen,
gesellschaftlichen, politischen usw. Bedingungen eine wirksame
Kunst und Kultur aussehen kann. Und damit Sie sich hier nicht
hoffnungslos verlaufen, ist Ihnen auf diesen Seiten ein historischer
Abriss der Geschichte der Virtuartistik frei zugänglich.
Ursprung
... in einer Zeit, da dem Menschen die Idee der warenförmigen
Dingwelt noch sehr fern war, galt ein harmonisches Gesetz
gegenseitigen Gebens uneingeschränkt für alle Weltordnungen.
Ein Pilger dieser Zeit, mit dem Auge des Herzens stets aufmerksam
für das Wunderbare des Alltäglichen, hatte auf seiner Reise
dabei zu den Worten der Schönheit gefunden.
Zum Dank für seine demütige Aufmerksamkeit sandte die göttliche
Welt (Vorsicht vor Metaphysik!) einen lächelnden Herold aus
dem Weltenei, der dem Pilger im Schlaf eine mit Ambrosia gefütterte
Ameise zwischen seine beiden Hirnhemisphären ins Corpus callosum
bettete, damit der Pilger in der dadurch verbesserten Kommunikation
seiner beiden Hirnhälften, den Weg zu den äusseren Horizonten
würde schneller finden können. Das war die Geburt des ersten
VirtuArtisten, der die Gabe der Entelechie an seinesgleichen
weitergab. Fortan wurde jeder Virtuartist auf seinen Reisen
zu den entlegenen Regionen der Phantasie von lächelnden Wesen
der Transzendenz in Schutz genommen.
Mittelalter
.... das Mittelalter wird post hoc übersprungen, weil wir
leider nichts Gutes über das Mittelalter zu erzählen hätten.
Eine finstere, sehr primitive Zeit. Erfreuen sie sich lieber
an der politischen Korrektheit Ihrer gegenwärtigen Epoche,
die Ihnen ein bißchen etwas Moderateres an Menschheitsentwicklung
vermitteln kann, als das primitive Gebaren einer Zeit der
Hexenverbrennungen und religiösen Kreuzzüge.
Bleibt vielleicht nur die Geschichte von jenem Schneider zu
erzählen, der es mit Hilfe gestohlener virtuartistischer
Unterlagen schaffte, fast 10 Jahre als 'falscher' Herzog eine
kleine Länderei im Abendlande zu regieren. Wenn man es schafft,
doch schon einige Leute 10 Jahre lang nach Stich und Faden
zu täuschen, haben sie eine Vorstellung von den Möglichkeiten
der Virtuartistik. Der Schneider hieß übrigens Waldemar und
wird in späteren Jahren nochmals geschichtlich erwähnt, als
der Schneider von des Königs neuen Kleidern.
1990 AD
... Der Illusion einer ewig währenden Liebe zu was auch immer
widerstandslos verfallen zu sein, das ist der Erreger, der
schamlos Pandora's Schoß entsprang. Die Niedergeschlagenheit
der Herzen und das Scheitern generativer Sehnsucht. Das Erlösungsbarometer
steht still.
Eklatante Widersprüche, schonungslose Brüche und dramatische
Mängel modellieren menschliches Denken und Handeln. Immerzu
vorwärts orientiert, ungefähre Zielrichtung vorhanden. Keiner
weiß mehr. Jeder meint es besser zu wissen. Jeder hat ein
prinzipielles Recht auf eine eigene Meinung.
In dieser Welt leben wir nicht - wir bewegen uns darin als
Beobachtende. Und wir sagen dir: wenn du nicht mehr vorsichtig
bist, wirst du anfangen, zu uns zu gehören.
Wer sind wir?, wird gefragt.
Wir sind die Avatare eines virtuellen Vergils im semiotischen
Inferno der Daten-Kommunikation. Wir sind aktiv als nomadische
Agenten des Weltgeistes zum Schutze seines Eigentums in allen
Zeitzonen ohne Ausnahme. Und wir lieben es, die Pferde der
Apokalypse in Form lästiger Schmeißfliegen zu ärgern.
Gegenwart
... das massenkulturelle Unterhaltungsbedürfnis sieht vor
lauter Artefakten das Artifizielle nicht mehr. Das Geld infiziert
alle Leidenschaft. Kreativität als kapitalrationale Dimension?
Wenn etwas in aller Munde ist, schmeckt es nach konsumistischer
Hyperkonformität.
Es geht nur darum Geld zu verdienen? Das setzt einschränkende
Rahmen. Werden Sie sich bewußt, dass die FLEXEKUTIVE bereits
wirkt, ihr Leben zu bestimmen. Outsourcing aka Ich-AG hat
uns in Abhängige vermeintlicher Selbstständigkeit verwandelt.
Human resources werden nur für Unternehmensinteressen gemanagt.
Nicht Sie als Mensch sind wichtig, ihr Wissen ist es. Und
nicht wenige werden ihr Wissen nach den Bedürfnissen der Unternehmen
ausrichten.
Think for yourself, fool. Eigenverantwortung ist ein wichtiger
Wert, solange sie ihn selbst bestimmen können. Lebenslanges
Lernen macht Sinn, wenn Inhalte frei verfügbar sind.
Aber entscheiden Sie selbst, anderen Falls machen wir den
nächsten Schritt in eine engere Welt. Globanalisierung ist
das "Sesam, öffne dich!" Quo vadis? Immer nach
Hause!
Zukunft
... Warnung: das Comeback der Kunst steht uns bevor!
Wir holen uns die Worte und die Bilder zurück! ... die Kunst
wird uns retten! So war das immer. Sie leuchtet vorbildlich
den Abgrund aus und feiert zugleich fröhliche Feste. Es gibt
kein Vergessen, kein Entrinnen und keinen ewigen Ernst. Darum
lieben wir Pop. Darum laufen wir einfach weiter auf den Pfaden
durchs vorgezeichnete Schicksal und tun so, als hätten wir
von all den Katastrophen nichts gewußt. Aber auch hiervon
gibt es kein Entrinnen. Ohne die schönen Künste ist das alles
nicht zu ertragen ... aber sagt das nicht weiter.
Die Zukunft bringt uns das Interagieren freundschaftlicher
Kooperativen, etliche weitere Geldverbrennungen, weitere Billige
Sex-Enklaven; und Deutschland wird als erster
Staat überhaupt seine Nationalität auflösen. Die Werbung übernimmt
die Verantwortung für den Katastrophenschutz und verkündet
die ewige Relaunch der Natur als Prophylaxe vor Erhabenheit.
So soll es sein! So wird es ...
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